Du hast ein Pferd und hast eine gewisse Vorstellung davon, was dein Pferd können soll? Vielleicht hast du Vorbilder, hast bestimmte Reiter mit ihren Pferden gesehen und träumst davon, dein Pferd und dich dorthin zu bringen, wo diese Reiter und Pferde schon sind. Oder vielleicht möchtest du nur, dass dein Pferd angenehm zu reiten ist, dass es verlässlich angaloppiert und sich genauso verlässlich wieder zum Trab und Schritt durchparieren lässt. Vielleicht möchtest du aber auch, dass es sich auf beiden Händen gleich anfühlt, dass es ausbalanciert ist und sich selbst trägt, dass es leicht an der Hand ist und impulsiv am Schenkel. Dass es biegsam und geschmeidig ist, dass die Hinterbeine fleißig unter den Schwerpunkt treten, dass sein Rücken schwingt und es dich im Trab angenehm sitzen lässt, dass es sich aufrichtet und eine weiche, elastische Anlehnung an die Hand nimmt. Und dass es dabei zufrieden, eifrig und stolz ist.
Wenn du das möchtest, möchtest du schon sehr viel. Und wenn dein Pferd das oben beschriebene kann, dann kann es schon sehr viel - und ist nicht mehr weit entfernt von Dingen und Lektionen, die vielen als unerreichbar scheinen: Piaffe, Passage, Pirouette.
Der Weg dorthin erfordert viel Wissen, viel Zeit, viel Geduld, viel Können. Aber er ist für fast jedes Pferd und fast jeden Reiter gangbar, wenn Wille und Hingabe groß genug sind.
Mein Name ist Gerd Hainz-Sator, und es bereitet mir großes Vergnügen, daran zu arbeiten, aus Pferden gute Reitpferde zu machen. Pferde, die geschmeidig sind und sich auf beiden Händen (fast) gleich anfühlen, die schwungvoll vorwärts gehen und den Reiter angenehm sitzen lassen, die auf feinste Hilfen reagieren, sich letztendlich versammeln lassen und wendig und leichtfüßig sind.
Über viele Jahrhunderte ist von unzähligen Reitern immer wieder am Erreichen genau dieser Ziele gearbeitet worden, und viele von ihnen haben ihre Erfahrungen, Gedanken und Überzeugungen in Form von Büchern weitergegeben. Also gibt es einen reichen Erfahrungsschatz, angesammelt über Jahrhunderte, auf den interessierte Reiter zurückgreifen können. Gepaart mit all dem, was ich von meinen Lehrern gelernt habe und meinen eigenen Erfahrungen als Reiter und Ausbilder, ergibt sich daraus für mich eine solide Wissensbasis, auf der ich meine Arbeit mit Pferden aufbauen kann, freilich nicht ohne ständig weiterzulernen.
Nach langjähriger Tätigkeit als Bereiter und bereits bestens vertraut mit der klassischen deutschen Reiterei, hatte ich zusätzlich die Möglichkeit, meinen Horizont bei Philippe Karl in Frankreich um das Konzept der Légèreté zu erweitern, das seitdem für meinen Weg der Pferdeausbildung unverzichtbar geworden ist.
Wie wird ein Pferd durchgymnastiziert, wie wird es geschmeidig und durchlässig gemacht, wie wird es dazu gebracht, mehr Gewicht auf die Hinterhand zu verlagern, sich zu versammeln und aufzurichten? Der Schlüssel sind korrekte Seitengänge und Übergänge innerhalb und zwischen den Gangarten.
Doch wie fängt alles an? Am besten vom Boden! Zuerst muss die Aufmerksamkeit des Pferdes gewonnen werden, dann nach und nach sein Vertrauen und sein Wille zur Mitarbeit. Äußerst hilfreiches Basiskönnen vom Boden: Zurückschütteln und herholen, Vorhandweichen (Kontrolle der Schulter), Hinterhandweichen (Kontrolle der Hinterhand). Danach werden dem Pferd vom Boden aus (auf Trense) bestimmte Bewegungsmuster beigebracht, die später vom Sattel aus abgefragt werden können und für die weitere Ausbildung verwendet werden. Und es wird dem Pferd die Bedeutung und die Funktion der Trense - und somit der Reiterhand - erklärt. Das große Geheimnis um die Hand ist keines mehr! Die Frage "Was macht die Hand" wird ganz klar beantwortet.
Kontrolle über Hals und Kopf des Pferdes ist ein Schlüsselpunkt bei der Ausbildung des Reitpferdes. Deshalb muss das Pferd lernen, auf Anfrage der Hand seinen Hals anzuheben. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil man so dem Pferd beibringen kann, sich nicht auf der Trense aufzustützen, sondern sich selbst zu tragen. Weiters muss es lernen, auf Anfrage der Hand seinen Hals nach links und rechts zu biegen. Das ist unter anderem deshalb wichtig, weil man über die Halsbiegung eine bessere Einwirkungsmöglichkeit auf die Schultern des Pferdes gewinnt. Und drittens muss es lernen, auf Anfrage der Hand seinen Hals und Kopf zu senken und eine Dehnungshaltung einzunehmen. Das ist deshalb wichtig, weil das Pferd in Dehnungshaltung seine Rückenmuskulatur entspannen kann bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Tragfähigkeit des Rückens. All dies wird dem Pferd vorerst vom Boden und im Halten beigebracht. Später werden diese Übungen vom Sattel aus wiederholt, und zwar auch zuerst im Halten und dann im Schritt.
Was braucht ein guter Reiter? Sensibilität, Geduld, Einfühlungsvermögen, Aufmerksamkeit, Kenntnis der Psyche seines Pferdes, gewisse Kenntnisse über Anatomie, Ausdauer, Konsequenz, Genauigkeit, Disziplin, Selbstdisziplin, Kenntnisse über Reittheorie, Leidensfähigkeit, einen ausbalancierten Sitz, Körperkontrolle, den Willen, ständig an sich zu arbeiten, Urteilskraft, Respekt und Wertschätzung gegenüber seinem Schüler und Partner Pferd - und: jemanden, der ab und zu drauf schaut, was er auf dem Pferd so treibt!
Ein guter Reiter sollte zu jedem Zeitpunkt wissen, was er macht und warum er es macht.
Einen Grundsatz gibt es, der mir besonders wichtig ist: beim gerittenen Pferd soll die Nasen- Stirnlinie vor der Senkrechten sein. Ein Grundsatz, den wohl jeder kennt, der aber in der Praxis leider nur selten zur Anwendung kommt. Der Grund, warum dieser Grundsatz so wenig Beachtung findet, ist, dass es einerseits schwer ist, ihn einzuhalten, andererseits, dass das Ausmaß seiner Wichtigkeit den wenigsten bewusst ist.
Nase vor!
Warum muss die Nase vor? Letztendlich wollen wir ein "vorwärts-aufwärts", und dieses vorwärts-aufwärts soll im gesamten Pferd verankert sein, alles im Pferd soll vorwärts-aufwärts streben - so natürlich auch die Nase. Bei der Nase fängt das vorwärts-aufwärts gewissermaßen an. Man stelle sich einen Gardesoldaten beim Paradieren vor - hat der die Nase unten? Wohl kaum! Das Genick ist leicht geöffnet, die Nase kommt dadurch ein wenig nach oben, der Ausdruck vermittelt Stolz und Entschlossenheit. Und genauso wollen wir unsere Pferde! Natürlich muss der Hals gerundet und das Genick gebeugt sein - aber eben nicht über die Maßen! Das absolute Höchstmaß ist die Senkrechte, dahinter darf die Nasen- Stirnlinie im Normalfall nicht kommen.
Indem das Pferd das Genick beugt, stimmt es zu, sich der Reiterhand zu fügen, mit der Reiterhand zu kooperieren. Und indem wir dem Pferd sagen, beuge dich nicht zu stark, bestärken wir es darin, selbstbewusst zu bleiben! Außerdem wollen wir in der Hand einen angenehmen Zug nach aufwärts-vorwärts spüren - und das geht eben nur, wenn die Nase vor der Senkrechten bleibt. Bei einer Anlehnung hinter der Senkrechten werden wir immer einen Zug leicht nach unten spüren. Das ist eine logische Folge aus dem Umstand, dass das Pferd Anlehnung nimmt, indem es den Winkel zwischen Hals und Nasen- Stirnlinie etwas vergrößert, also das Genick ein wenig öffnet und dadurch die Nase ein Stückchen nach vorne - an die Reiterhand heran - bringt. Aber diese Bewegung bringt - bei Ausgangsstellung Nase hinter der Senkrechten - gezwungenermaßen die Nase nicht nur nach vorne, sondern auch nach unten. Erst ab der Senkrechten wird aus der Vorwärtsbewegung auch wieder eine Aufwärtsbewegung.
Hinter der Senkrechten darf niemals Anlehnung gewährt werden!
Jeder Reiter wünscht sich etwas von seinem Pferd. Um Frustrationen auf beiden Seiten zu vermeiden, ist es also des Reiters Pflicht, seine Wünsche dem Pferd verständlich zu machen. Kein Pferd der Welt hat jemals ein Buch übers Reiten gelesen. Das heißt, es hat grundsätzlich nicht die geringste Ahnung, was wir von ihm wollen oder oft sogar erwarten. Zu sagen "das Pferd muss dieses" oder "das Pferd muss jenes" ist ein Irrweg. Das Pferd muss gar nichts, es schuldet uns nichts. Wir beschäftigen uns mit dem Pferd, weil es uns unendliche Freude macht, weil es uns unvergleichliche Glücksgefühle beschert. Ich wage zu bezweifeln, dass Pferde das auch über uns Menschen sagen würden. Deshalb ist es unsere Pflicht, bei allem, was wir tun, darauf zu achten, dass sich das Pferd jederzeit zumindest einigermaßen wohlfühlt, dass wir die Grenzen des Zumutbaren kennen und nicht bereit sind, diese zu überschreiten.
English
Do you have a horse and have a certain idea of what your horse should be able to do? Perhaps you have role models, have seen certain riders with their horses, and dream of taking your horse and yourself to where these riders and horses already are. Or perhaps you just want your horse to be pleasant to ride, to canter reliably and to be reined in just as reliably back to trot and walk. Or perhaps you also want it to feel the same in both hands, to be balanced and self-supporting, to be light in hand and impulsive in the leg. That it is flexible and supple, that its hind legs diligently step under its center of gravity, that its back swings and lets you sit comfortably in the trot, that it stands upright and takes a soft, elastic contact with your hand. And that it is content, eager, and proud.
If that's what you want, you want a lot. And if your horse can do the things described above, then it's already capable of a great deal – and isn't far from things and lessons that many people consider unattainable: piaffe, passage, pirouette.
The path to achieving this requires a lot of knowledge, a lot of time, a lot of patience, and a lot of skill. But it's achievable for almost every horse and almost every rider, if the will and dedication are strong enough.
My name is Gerd Hainz-Sator, and it gives me great pleasure to work on turning horses into good riding horses. Horses that are supple and feel (almost) the same in both hands, that move forward with momentum and allow the rider to sit comfortably, that respond to the subtlest aids, ultimately allow themselves to be collected, and are agile and light-footed.
Over many centuries, countless riders have repeatedly worked to achieve precisely these goals, and many of them have passed on their experiences, thoughts, and beliefs in the form of books. Thus, there is a wealth of experience, accumulated over centuries, that interested riders can draw on. Coupled with everything I have learned from my teachers and my own experiences as a rider and trainer, this provides me with a solid foundation of knowledge on which I can build my work with horses—although not without constantly learning.
After many years as a professional rider and already very familiar with classical German riding, I also had the opportunity to broaden my horizons with Philippe Karl in France to include the concept of Légèreté, which has since become indispensable for my horse training.
How do you train a horse? How do you make it supple and responsive? How do you get it to shift more weight onto its hindquarters, to collect itself, and to stand upright? The key is correct lateral movements and transitions within and between gaits.
But where does it all begin? It's best to start from the ground! First, you have to gain the horse's attention, then gradually gain its trust and willingness to cooperate. Extremely helpful basic skills from the ground: shaking back and bringing it back, forehand yield (control of the shoulder), hindquarter yield (control of the hindquarters). Then, from the ground (on a bridle), the horse is taught certain movement patterns, which can later be tested from the saddle and used for further training. And the horse is explained the importance and function of the bridle—and thus the rider's hand. The great mystery surrounding the hand is no longer there! The question "What does the hand do?" is answered very clearly.
Control over the horse's neck and head is a key aspect of training a riding horse. Therefore, the horse must learn to lift its neck when asked by the rider. This is especially important because it teaches the horse to support itself rather than leaning on the bridle. It must also learn to bend its neck left and right when asked by the rider. This is important, among other things, because bending the neck allows better influence on the horse's shoulders. Third, it must learn to lower its neck and head when asked by the rider and assume a stretched position. This is important because in a stretched position the horse can relax its back muscles while maintaining its back's carrying capacity. All of this is initially taught to the horse from the ground and at a halt. Later, these exercises are repeated from the saddle, also first at a halt and then at a walk.
What does a good rider need? Sensitivity, patience, empathy, attentiveness, knowledge of their horse's psyche, a certain knowledge of anatomy, endurance, consistency, precision, discipline, self-discipline, knowledge of riding theory, the ability to endure suffering, a balanced seat, body control, the will to constantly work on themselves, judgment, respect, and appreciation for their student and partner, their horse—and: someone who occasionally checks on what they're doing on the horse!
A good rider should know at all times what he is doing and why he is doing it.
There's one principle that's particularly important to me: when ridden, the nose-brow line should be in front of the vertical. It's a principle that everyone probably knows, but unfortunately, is rarely applied in practice. The reason this principle receives so little attention is, on the one hand, that it's difficult to adhere to, and, on the other, that very few people realize its importance.
Nose forward!
Why does the nose have to be in front? Ultimately, we want a "forward-upward" movement, and this forward-upward movement should be anchored in the entire horse; everything in the horse should strive forward-upward – including, of course, the nose. The forward-upward movement begins, so to speak, with the nose. Imagine a guardsman on parade – does he have his nose down? Hardly! The poll is slightly open, which raises the nose a little, conveying pride and determination. And that's exactly how we want our horses! Of course, the neck must be rounded and the poll flexed – but not excessively! The absolute maximum is vertical; the nose-forehead line should not normally be below this.
By bending the poll, the horse agrees to submit to the rider's hand and to cooperate with the rider's hand. And by telling the horse not to bend too much, we encourage it to remain confident! We also want to feel a pleasant upward-forward pull in the hand – and that's only possible if the nose stays in front of the vertical. With a contact behind the vertical, we will always feel a slight downward pull. This is a logical consequence of the fact that the horse takes contact by slightly increasing the angle between the neck and the nose-forehead line, thus opening the poll a little and thereby bringing the nose a little forward – towards the rider's hand. However, this movement – with the starting position of the nose behind the vertical – inevitably brings the nose not only forward but also downward. Only from the vertical does the forward movement become an upward movement again.
Contact behind the vertical should never be allowed!
Every rider wants something from their horse. To avoid frustration on both sides, it is the rider's duty to make their wishes clear to the horse. No horse in the world has ever read a book about riding. This means that they fundamentally have no idea what we want or often even expect from them. Saying "the horse has to do this" or "the horse has to do that" is a misguided approach. The horse doesn't have to do anything; it owes us nothing. We spend time with horses because they give us endless joy, because they provide us with incomparable feelings of happiness. I doubt horses would say the same about us humans. Therefore, it is our duty, in everything we do, to ensure that the horse feels at least somewhat comfortable at all times, that we know the limits of what is reasonable and are not willing to exceed them.